Welches Teleskop ist das Richtige?

Ein schwieriges Thema, bei dem durchaus der Überblick verloren gehen kann. Als Erstes könnte man sich die Frage stellen, welche Erwartungen vorliegen. Prinzipiell sind unsere Augen nicht dafür geschaffen, um des nächtens Farben zu erkennen. Nur bei besonders hellen Objekten, wie Planeten und einigen hellen Sternen sind Farbunterschiede erkennbar. Dafür sind unsere Augen sehr empfindlich für Helligkeitsunterschiede. Bis sich das Sehorgan allerdings an die Dunkelheit gewöhnt hat, können durchaus zwischen 15-20 Minuten vergehen. Darin liegt auch der Grund, warum Amateurastronomen gerne rotes Licht verwenden, es schadet der Dunkeladaption weniger.
Hier der Versuch, anhand der folgenden Punkte, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Dieser Beitrag stellt keine Empfehlung dar, sondern mehr eine Orientierungshilfe und einige Überlegungen zu dem Thema. Siehe dazu auch die Beiträge Fernrohrarten und astronomische Begriffe.
Natürlich sollten auch andere Quellen befragt werden, um sich umfangreich zu informieren.

Was ist die Erwartungshaltung?

Objekte sind nicht so zu erkennen, wie oft auf Fotografien dargestellt. Zum Beispiel ist Jupiter so nicht zu beobachten:

Quelle: Wikipedia

Sondern eher so:

Quelle: Wikipedia


Auch die farbenfrohen Aufnahmen des Orionnebels erscheinen im Fernrohr als milchiger, heller Fleck, selbst mit einem 35cm Teleskop.

Um sich einen Eindruck zu verschaffen, wie Objekte wirklich zu erkennen sind, empfiehlt sich ein Blick durch ein Teleskop der nächsten Sternwarte.

Wie ist die Einschätzung des Benutzers?

  • Ist das Interesse vielleicht nur von kurzer Dauer, wird das Teleskop eventuell nach kurzer Benutzung wieder weggepackt?
  • Ist die Möglichkeit eigener Beobachtungen schon länger ein Thema?
  • Bestehen bereits Erfahrungen und Vorwissen?

Für wen ist das Gerät?

  • Für ein Kind unter 12 Jahren ist wahrscheinlich ein kleiner Refraktor als Komplettpaket interessanter, um erst einmal das Handling zu erlernen und erste Erfahrungen zu sammeln. Auch sollte man sich die Frage stellen, ob das Kind mit der Bedienung überfordert sein könnte.
  • Für Jugendliche mit Vorkenntnissen und schon ein wenig Erfahrung ist vielleicht schon ein Allrounder interessant. Ein 4 Zoll Newton auf einer parallaktischen Montierung käme in Frage, eventuell auch ein Dobson.
  • Für die eigene Person kann man schon zum nächsten Punkt gehen.

Was soll beobachtet werden, kommt Fotografie in Betracht?

Für eine reine Beobachtung von Planeten und Mond empfiehlt sich ein größerer Refraktor ab 4 Zoll Öffnung auf einer stabilen parallaktischen Montierung. Refraktoren haben gegenüber Spiegelteleskopen vergleichbarer Öffnung den Vorteil ein besseres Bild zu liefern.

Möchte man einen Allrounder für Deepsky, Mond und Planetenbeobachtung ohne Fotografie könnte ein Spiegelteleskop in Betracht gezogen werden. Für die reine Beobachtung käme ein großer Dobson in Frage, 8 Zoll sind schon recht preiswert erhältlich, allerdings in der Regel mit dem Nachteil ohne automatischer Nachführung auf einer azimutalen Montierung. Kurzbelichtete Aufnahmen sind hier möglich.

Dieser Nachteil lässt sich mit einem Newton Fernrohr oder Schmidt-Cassegrain auf einer parallaktischen Montierung mit automatischer Nachführung ausgleichen, die auch für Langzeitbelichtungen gut geeignet ist. Mit 6-8 Zoll Öffnung kann man, je nach persönlicher Ambition, schon einiges anfangen. Hier könnte sich die Frage nach dem Gesamtgewicht und der Transportabilität stellen (siehe unten).

Newton Fernrohre verfügen, im Vergleich zu Schmidt-Cassegrain Teleskopen, meistens über eine kürzere Brennweite und somit ein größeres Gesichtsfeld. Allerdings sind Newtons, konstruktionsbedingt, oft länger als SC Teleskope.

Weitere Faktoren

  • Zusätzlich spielt auch die Transportabilität einen nicht zu unterschätzenden Faktor. Für jede Beobachtung 50 Kilogramm oder mehr zum Auto und zum Beobachtungsplatz zu tragen, kann schnell anstrengend werden. Andererseits, verfügt man über einen ausreichend dunklen Garten, ist das Gewicht schon eher zu vernachlässigen.
  • Ist ein Stromanschluss in der Nähe, braucht man ggf. eine Powerbank?

Was soll ausgegeben werden?

Nun, diese Frage muss jeder für sich beantworten, von ca. 300 bis einigen 1000 Euro ist alles möglich.

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