Die erste Beobachtungsnacht planen

Was ist bei der ersten Nacht im Freien zu beachten? Beispielhaft wird hier der Umgang mit einer äquatorialen (auch parallaktischen oder deutschen) Montierung für eine optische Beobachtung beschrieben. Auf die notwendige Genauigkeit der Einstellungen für fotografische Aufnahmen wird hier nicht eingegangen. Siehe hierzu auch den Beitrag Die gängigsten Fernrohrarten den Punkt Montierungen und die FAQ.
Aufgrund der Vielfalt an Montierungen kann natürlich keine Garantie für die Korrektheit für jedes einzelne Modell übernommen werden. Beispielsweise gibt es auch äquatoriale Gabelmontierungen.

Hier eine grafische Darstellung einer äquatorialen Montierung:

Quelle: Wikipedia


Der Umgang mit dem neuen Gerät

In der Nacht ist es naturgemäß dunkel, deshalb ist es eine gute Idee, sich schon tagsüber mit dem neuen Fernrohr vertraut zu machen. Hier der obligatorische Hinweis auf die Bedienungsanleitung, auch wenn diese mitunter etwas spartanisch gehalten ist.
Wichtig: Bei dem Teleskop und der Montierung niemals Gewalt oder eine hohe Kraft anwenden, Beschädigungen können die Folge sein. Ein gut ausbalanciertes System lässt sich mit geringem Kraftaufwand bewegen.
Ebenso kann man sich mit einer optionalen Nachführung bereits vertraut machen.

Auf- und Abbau

Sind alle Teile komplett vorhanden und ist deren Position und Funktion bekannt? Der Auf- und Abbau sollte einige Male trocken geübt werden, bis alles sitzt. Wichtig ist hierbei das blinde Auffinden der Bedienelement für die Rektaszension und Deklination aus jeder Position (hinter, rechts, links, durch den Sucher blickend) am Fernrohr. Im Dunklen kann die Sucherei schnell frustrierend werden. Das sollte dann schon auf Anhieb blind sitzen.
Bei der Montage darauf achten, dass das Stativ waagrecht steht. Hierzu ist meistens eine Dosenlibelle an diesem oder der Montierung angebracht. Sollte keine vorhanden sein, kann diese mit ein wenig Geschick selbst nachgerüstet werden. Das Gegengewicht sollte vor dem Tubus montiert werden und nach unten zeigen (siehe Abbildung oben). Beim Abbau zuerst den Tubus entfernen, dann das Gegengewicht.
Sehr wichtig ist das Austarieren des Fernrohres, welches im Folgenden beschrieben wird.

Austarieren

  • Zuerst die Klemme für die Deklinationsachse (siehe Abbildung oben) lösen und den Tubus waagrecht stellen (in der Abbildung oben steht er senkrecht), die Klemme wieder festziehen und die Rohrschellen leicht öffnen, sodass der Tubus sich leicht bewegen lässt. Das Rohr mit Gefühl verschieben, bis die Schellen ein wenig mehr zum Spiegel zeigen, bei Refraktoren etwa mittig. Deklinationsklemme wieder öffnen und feststellen in welche Richtung der Tubus kippt und entsprechend verschieben. Das Fernrohr dabei festhalten, damit es nirgendwo gegenschlägt oder verrutscht! Prozedur wiederholen, bis der Tubus nur noch ganz leicht kippt. Etwas Richtung Spiegel oder beim Refraktor etwas Richtung Objektiv. Alle Schrauben wieder anziehen.
  • Beim Tarieren der zweiten Achse, der Rektaszension (siehe Abbildung oben), die entsprechende Klemme öffnen und das Gegengewicht mit dem Fernrohr waagrecht stellen. Hierbei lässt sich schon erkennen, ob das System mehr zum Fernrohr oder mehr zum Gegengewicht kippt. Das lässt sich schon ziemlich genau korrigieren, indem man das Gewicht auf der Achse verschiebt. Richtung Montierung, falls das Gegengewicht nach unten zieht, zum Ende der Stange, falls die Rektaszensionsachse über das Fernrohr kippen will. Das System sollte ein wenig lastig zum Gegengewicht sein. Schrauben anziehen.

Ist alles gut justiert, lässt sich das gesamte System mit nur ganz wenig Kraftaufwand bewegen.

Polhöhe einstellen

Um den Vorteil einer äquatorialen Montierung voll nutzen zu können, muss die Rektaszensionsachse in der Höhe und der Waagrechten auf den Himmelsnordpol eingestellt werden. Für die optische Beobachtung ist das erst einmal hinreichend genau. Die Höhe lässt sich mit Hilfe der seitlich angebrachten Skala bereits bei Tageslicht hinlänglich genau einstellen. Die sogenannte Polhöhe (siehe Abbildung oben) entspricht dabei dem Betrag der eigenen geografischen Breite.
Der Azimut (rechts/links) wird später beim Aufbau im Freien eingestellt.

Sucher justieren

Ein weiterer Punkt, der spätere Beobachtungen ungemein erleichtert, ist die Justierung des kleinen Sucherfernrohres. Hierzu das große Teleskop auf ein möglichst viele Kilometer entferntes Objekt zentral ausrichten, den Sucher in der Halterung lösen, dies sind normalerweise drei Schrauben, den Sucher ebenfalls zentral auf das Objekt ausrichten und wieder festschrauben. Gegebenenfalls in mehreren Durchgängen durchführen.

Aufbau im Freien

  • Einen möglichst dunklen Ort, das kann auch der eigene Garten sein, fernab von störenden Laternen oder Besiedlung wählen. Das Mitführen einer Rotlicht-Stirnlampe ist von Vorteil.
  • Der Aufbau erfolgt dann wie tagsüber schon geübt. Was tagsüber vielleicht nicht so wichtig war, das Stativ sollte auf eine bequeme Höhe eingestellt werden. Es soll ja keine Astrogymnastik stattfinden, sondern eine bequeme Beobachtung vonstatten gehen.
    Die Aufstellung sollte so erfolgen, dass die Rektaszensionsachse im Azimut schon so genau wie möglich auf den Himmelspol (siehe auch den Beitrag Der Große Bär als Himmelszeiger) zeigt. Die Feinjustierung kann später mit einem (Handy-)Kompass und den oben abgebildeten Stellschrauben erfolgen. Die Höhe wurde ja schon vorher eingestellt, kann aber noch durch einen Blick entlang der Achse korrigiert werden. Das reicht für die optische Beobachtung. Soll es noch genauer werden, ist der oft bereits eingebaute Polsucher zu verwenden. Hierzu bitte die beigelegte Dokumentation konsultieren.
  • Die Justierung des Sucherfernrohres, wie oben beschrieben, kontrollieren. Diese verstellt sich beim Transport gerne mal.
  • Ein Newton benötigt mindestens 30min, ein Schmidt-Cassegrain oder Refraktor mindestens 45min Zeit zur Anpassung an die Außentemperatur. Ansonsten liefert die Optik nur ein unscharfes, flirrendes Bild.

Der ersten Objekte beobachten

  • Bei der ersten Beobachtung empfiehlt es sich mit etwas Leichtem anzufangen. Am besten mit dem Mond. Wann dieser zu sehen ist, ist astronomischen Jahrbüchern zu entnehmen. Hierzu das Teleskop mit Hilfe des Suchers auf diesen ausrichten und mit niedriger Vergrößerung durch das Hauptrohr betrachten. Kappen abnehmen und scharf stellen nicht vergessen. Falls keine Nachführung vorhanden ist, wird man schnell feststellen, dass sich der Mond flott durch das Gesichtsfeld bewegt. Hierzu mit der Rektaszensionswelle manuell nachführen. Hier macht sich der Vorteil der Nachführung um nur eine Ache bei einer äquatorialen Montierung bezahlt. Gegebenenfalls kann auch hier bereits eine automatische Nachführung mit einbezogen werden.
  • Sollte man erfolgreich sein, können schon etwas schwierigere Objekte, wie zum Beispiel Planeten (Stichwort Jahrbuch) in Angriff genommen werden.
  • Ist dies einige Male erfolgreich gelungen, nimmt man noch schwierigere Objekte, wie die schönen Sternhaufen M13, und M15 ins Visier. Zur Positionsbestimmung empfiehlt sich eine freie Planetariumssoftware (siehe den Menüpunkt Links). Bei lichtschwächeren Objekten ist darauf zu achten, dass nicht gerade Vollmond herrscht und der Himmel ausreichend klar und dunkel ist. Siehe dazu auch den Beitrag Warum stört der Vollmond oft bei astronomischen Beobachtungen?

Zur groben Orientierung am Nachthimmel hat sich eine drehbare Sternkarte als hilfreich erwiesen.

Quelle: Wikipedia

Die übliche Anmerkung: Die Sonne als Übungsobjekt ohne geeigneten Schutz zu verwenden ist eine schlechte Idee. Schwere Augenschäden können die Folge sein!

Abbau, Lagerung und Pflege

  • Zuerst sollte das Zubehör zum Abtransport verstaut, dann der Tubus abmontiert und ebenfalls verstaut werden, das Gegengewicht nicht vergessen. Stativ einfahren, einklappen und ebenfalls sicher verstauen. Selbst schnalle ich den Newton senkrecht auf dem Beifahrersitz fest (kein Witz), der Refraktor kommt angeschnallt flach auf die Rücksitze, der Rest mit Decken versehen in den Fuß- oder Kofferraum.
  • Später Zuhause: Sollte sich eine Tau- oder sogar Reifschicht gebildet haben, die Feuchtigkeit mit einem weichen Tuch entfernen, den Reif zuerst tauen lassen und dann entfernen. Optische Flächen nicht säubern, diese sind äußerst empfindlich und verkratzen schnell! Dazu das Fernrohr über Nacht, mindestens jedoch einige Stunden, offen stehen und trocknen lassen. Danach alle Kappen wieder anbringen und die gesamte Ausstattung staubfrei und nicht dem Sonnenlicht ausgesetzt verstauen.
  • Niemals optische Flächen reinigen, dies ist, wenn überhaupt, selbst bei häufigem Gebrauch, nur alle paar Jahre notwendig. Staubkörner beeinträchtigen die Abbildungsqualität kaum. Wenn jedoch eine Reinigung notwendig wird, sollte man sich an entsprechende Fachleute wenden. Das eigene 8“ Newton-Teleskop wurde in den letzten knapp 30 Jahren nur drei Mal zerlegt und einer Reinigung unterzogen und musste danach neu justiert werden.
  • Bezüglich der Kontrolle der Justierung der Spiegel eines Newton-Teleskops gibt es unterschiedliche Meinungen. Eine Partei kontrolliert diese bei jedem Gebrauch, die andere vielleicht ein Mal im Jahr oder weniger. Hierzu leistet ein 1,25“ Justierlaser gute Dienste, dessen Einsatz aber ein wenig Übung und Wissen erfordert.
    Ein Refraktor ist in Eigenregie kaum zu justieren. Dies ist aber auch nur in Ausnahmefällen nötig. Der eigene wurde in den letzten knapp 30 Jahren nie nachjustiert.

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