Von der ersten Nacht am eigenen Fernrohr enttäuscht?

Manchmal sind Einsteiger beim ersten Blick durch das erste, eigene Fernrohr enttäuscht. Objekte werden nicht gefunden, der Jupiter ist unscharf und sieht seltsam aus, der Orionnebel sieht flau aus.
Meistens lässt sich das Problem schnell beheben. Vielleicht auch schon mit den folgenden Beiträgen. Die folgende Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, versucht aber einen Großteil der möglichen Punkte abzudecken.

Oftmals werden die Hochglanzfotos der Profis und langjährigen Amateure als Vorbild genommen. Hierbei sollte aber nicht vergessen werden, dass diese Aufnahmen teilweise viele Stunden mit Spezialfiltern belichtet und in mühseliger Arbeit mit Grafikprogrammen nachbearbeitet wurden. Auch in den Aufnahmen, die hier in der Galerie gezeigt werden, steckt oft ein halber Tag oder mehr Arbeit pro Aufnahme.

Das menschliche Auge ist nicht dazu geschaffen, um nachts Farben zu sehen. Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere an den Spruch „Nachts sind alle Katzen grau“. Dafür kann das Sehorgan sehr gut Helligkeitsunterschiede wahrnehmen. Somit liefert ein Blick durch das Fernrohr bei Nebeln und Galaxien keine Farbinformationen, sondern „nur“ Helligkeitsunterschiede. Einzig bei Planeten und hellen Sternen sind Farbunterschiede wahrnehmbar.

Hier einige Tipps für eine bessere optische Ausbeute – Teilweise eine Wiederholung/Zusammenfassung aus den oben angeführten Beiträgen:

  • Entscheidend sind immer die Wetterbedingungen. War es diesig, war die Luft besonders unruhig (am Flimmern der Sterne zu erkennen)? Galaxien bei diesigem Wetter zu finden wird sich als sehr schwierig erweisen. Planeten sind bei großer Luftunruhe einfach nicht scharf zu stellen.
  • Nahe Straßenlaternen oder eine Position mitten in einer Stadt wirken sich nachteilig aus.
  • Auch der Vollmond wirkt sich nachteilig auf der Beobachtung lichtschwächerer Objekte aus. Siehe hierzu den Beitrag: Warum stört der Vollmond oft bei astronomischen Beobachtungen?
  • Wurde an der richtigen Stelle in das Fernrohr geblickt? Was sich wie eine „dumme Frage“ anhört, ist schon ab und an vorgekommen. Der Einblick befindet sich an der Seite oder am schmaleren Ende des Teleskops. Die große Öffnung ist für den Einblick definitiv falsch, sie sammelt das Licht für die Beobachtung.
  • Wurde ein Okular eingesetzt, passt die Vergrößerung? Immer mit geringer Vergrößerung anfangen.
  • Ist das Fernrohr gut an die Außentemperatur angepasst? Das kann durchaus 30-45min dauern. Ist das Fernrohr nicht genügend ausgekühlt, stellt sich das Ergebnis bei einem Blick in das Okular wie Luftunruhe dar.
  • War das Fernrohr richtig aufgestellt? Wichtig bei äquatorialen/parallaktischen Montierungen.
  • Einige Teleskope verfügen über eine Klemmschaube am Okularauszug, um das versehentliche Verstellen des Fokus zu verhindern. Falls diese Schraube vorhanden ist, sollte sie leicht gelöst werden.
  • Wurden Sucher und Teleskop parallel zueinander eingestellt?
  • Sind auch wirklich alle Deckel komplett entfernt worden? Oft befindet sich noch eine kleine Kappe auf der größeren am Objektiv.
  • War das Objekt fokussiert? Sterne müssen punktförmig erscheinen.
  • Immer erst mit einer kleinen Vergrößerung anfangen. Es bringt nichts mit 200-facher Vergrößerung in den Orionnebel zu halten, 20-30-fach reicht im ersten Schritt vollkommen aus.
  • Falls Planeten nur als Punkt erscheinen: Ist wirklich ein Planet eingestellt? Zudem benötigen Planeten eine höhere Vergrößerung, um die 100-fach oder gerne auch mehr. Dazu ist die Luftunruhe zu berücksichtigen.
  • Eher unwahrscheinlich ist, dass die Optik komplett dejustiert ist. Das sollte von einem erfahrenen Amateur oder dem Profi geprüft werden. Für Newton-Teleskope kann ein 1,25“ Justierlaser gute Dienste leisten, dessen Einsatz aber ein wenig Übung und Wissen erfordert.
  • Eine Beobachtung durch Fensterglas oder das geöffnete Fenster liefert grundsätzlich schlechte Ergebnisse.

Die Vergrößerung berechnet sich, indem man die Brennweite des Teleskops in Millimetern durch die Brennweite des Okulars (meistens auf diesem vermerkt) teilt.
Als Faustregel: Die maximal sinnvolle Vergrößerung eines Teleskops beträgt das Doppelte des Objektivdurchmessers in Millimetern.

Hier einige Abbildungen zu möglichen Fehlerquellen:

Wurden alle Abdeckkappen entfernt?

Unscharfe Abbildung im Linsenteleskop. In einem Spiegelteleskop erscheint in der Mitte noch ein schwarzer, kreisrunder Fleck.

Unscharfe Abbildung im Linsenteleskop mit Luftunruhe.

Luftunruhe, übertrieben dargestellt.

Gesamtes Teleskop instabil. Alle Schrauben prüfen, das Stativ nicht komplett ausfahren.

Fehler in der Optik (sehr selten) oder Brille bei Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) nicht getragen.

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