Warum kann Venus scheinbar nach Mitternacht untergehen?
Vor einiger Zeit wurde eine interessante Frage gestellt:
Venus gehört zu den inneren Planeten und sollte daher eigentlich nicht nach Mitternacht untergehen. Tatsächlich zeigen Planetariumsprogramme und die praktische Beobachtung jedoch, dass sie an bestimmten Tagen scheinbar doch nach 0:00 Uhr untergeht. Wie kann das sein?

Zunächst zur astronomischen Situation:
Die inneren Planeten Merkur und Venus bewegen sich von der Erde aus gesehen immer in der Nähe der Sonne. Venus erreicht dabei eine maximalen Winkelabstand von etwa 47 Grad zur Sonne. Das bedeutet, dass sie nie in den Bereich des Himmels gelangen kann, der zur astronomischen Mitternacht sichtbar ist, also genau gegenüber der Sonne liegt. In diesem Sinne kann Venus tatsächlich nicht „um Mitternacht“ sichtbar sein oder untergehen. Hierzu eine Grafik:
Der scheinbare Widerspruch entsteht durch unsere Zeitmessung.
Die Angabe „nach Mitternacht“ bezieht sich auf unsere Uhrzeit (MEZ bzw. MESZ), nicht auf die astronomische Mitternacht. Diese ist definiert als der Zeitpunkt, zu dem die Sonne den tiefsten Stand unter dem Horizont erreicht und den Meridian unterhalb des Beobachters passiert.
Ein konkretes Beispiel:
Für Zweibrücken wird am 31. Mai 2026 ein Untergang der Venus um 0:17 Uhr MESZ angegeben. Umgerechnet entspricht das 23:17 Uhr MEZ des Vortages.
Hinzu kommt, dass die Mitteleuropäische Zeit sich am Bezugsmeridian von 15° östlicher Länge orientiert. Zweibrücken liegt jedoch bei etwa 7,4° Ost, also rund 7,5° weiter westlich. Da sich die Erde relativ zur Sonne um etwa 1° in 4 Minuten dreht, ergibt sich daraus eine zusätzliche Zeitverschiebung von ungefähr 30 Minuten.
Damit liegt der tatsächliche Untergang der Venus in der lokalen mittlere Sonnenzeit bei etwa 22:47 Uhr des Vortages. Nicht berücksichtigt wird hier der Unterschied zwischen wahrer und mittlerer Sonnenzeit, auch als Zeitgleichung bezeichnet. Er beträgt, je nach Datum, bis zu 15 Minuten.
Der entscheidende Punkt ist also:
Die lokale Uhrzeit kann deutlich von der lokalen Sonnenzeit abweichen. Dadurch kann ein Himmelsereignis scheinbar „nach Mitternacht“ stattfinden, obwohl es astronomisch noch klar vor Mitternacht liegt.
Kurz gesagt:
Venus geht nicht wirklich nach Mitternacht unter. Es wirkt nur so, weil unsere Uhrzeit nicht exakt genug der Stellung der Sonne entspricht.



















Die Venus ist unter mehreren Gesichtspunkten sehr spannend. Betrachtet man sie mythologisch, so personifiziert die Venus den weiblichen Aspekt vom Morgenstern ->
https://www.mythologie-antike.com/t23-gott-eosphoros-phosphoros-lichttrager-lichtbringer-morgenstern